Brückenabriss infolge fehlerhafter Wirtschaftlichkeitsberechnung‏

Brückenabriss infolge fehlerhafter Wirtschaftlichkeitsberechnung‏

Sonntag, den 25. September 2016 um 20:00

In den letzten Tagen wurde die Trassen-Brücke Max-Planck-Straße in Vorbereitung der Abrissarbeiten von einem Bagger freigelegt. Es bietet sich nun ein ähnliches Bild wie im letzten Herbst bei der Brücke Wüstenhofer Straße: ein völlig intaktes Brückengewölbe, das man nun mit wenig Aufwand von oben abdichten und wiederverfüllen könnte. Nach der zusätzlichen Sanierung der Stirnwände wäre die Brücke dann in wenigen Wochen wieder befahrbar. Sie könnte wie zehntausende Steinbogenbrücken weltweit noch viele Jahrzehnte genutzt werden. Per Konstruktion kann diese Art von Brücken im Übrigen nicht einstürzen, weil sich die Steine im Rundbogen gegenseitig stützen.

Nur leider ist der Abriss ja beschlossene Sache, weil in einer von einem externen Büro angefertigten s.g. Wirtschaftlichkeitsberechnung aus dem Jahre 2013 ein Abriss und Neubau als langfristig preiswerter gerechnet worden war als eine Sanierung. In einer obskuren Rechnung war das Büro damals zu dem Schluss gekommen, Abriss und Neubau seien mit allen Folgekosten auf 70 Jahre gerechnet insgesamt 112.000 Euro preiswerter als eine Sanierung.

In der Ratsvorlage vom Februar 2016 sind die Kosten für Abriss und Neubau dann gegenüber der Kalkulation aus 2013 schon um 273.000 Euro gestiegen (von 440.000 Euro auf 713.000 Euro). Leider wurde diese Kostensteigerung nicht zum Anlass genommen, die Wirtschaftlichkeitsberechnung noch einmal zu aktualisieren. Sie wäre eben mit den tatsächlichen Preisen jetzt klar zugunsten einer Sanierung ausgefallen. Nur am Rande sei bemerkt, dass das in 2013 beauftragte Ingenieurbüro nun auch die Umsetzung der Baumaßnahme begleitet und von der deutlichen Kostensteigerung in Form von höheren Honoraren profitiert.

Als WUPPERTALBEWEGUNG e.V. haben wir die Abrisspläne in den letzten drei Jahren konsequent kritisch hinterfragt. Wenn die Verwaltung aktuell pressewirksam verlauten lässt, wir hätten dem Abriss zugestimmt, dann kann das so nicht stehen bleiben. Es war uns in einer Sitzung im August 2013 lediglich mündlich das Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung mitgeteilt worden und versichert worden, diese sei korrekt und belastbar. Daraufhin hatten wir in dieser Sitzung gesagt, wir unter diesen Umständen der vorgeschlagenen Variante zustimmen könnten und aber auch um eine Überlassung der Kalkulationen gebeten. Als uns die Kostenberechnungen dann am Folgetag endlich schriftlich überlassen wurden, haben wir sie umgehend geprüft und sofort erkannt, dass Abbruch und Neubau künstlich schön gerechnet worden waren. Dies haben wir der Verwaltung mehrfach mitgeteilt.

Mehrere Brücken und Viadukte an der Nordbahntrasse sind in einem schlechteren Zustand als die Brücke Max-Planck-Straße, die nun abgerissen werden soll. Aber es wurde an ihnen bisher nichts gemacht. Das deutlichste Beispiel dafür ist das Viadukt über der Westkotter Straße, das seit Jahren mit Steinschlagnetzen an der Unterseite versehen ist, aber im Zuge des Baus der Trasse von oben nicht gegen weiteren Wassereintritt geschützt wurde. Der Weg wurde ohne Sanierungsmaßnahmen am Bauwerk einfach darüber gebaut.

Anstelle von unwirtschaftlichen Abrissen und Neubauten wie im Fall Wüstenhofer und Max-Planck-Straße hätte u.E. dieses Geld besser für Sanierung und damit Erhalt dieser und weiterer historischer — und im Übrigen auch denkmalgeschützter — Bauwerke verwendet werden sollen, die unserer Stadt Charme verleihen.

Die ersten beiden der folgenden Fotos zeigen die Max-Planck-Straße und insbesondere die intakte freigelegte Ziegelrolle von oben. Das dritte Bild ist aktuell von der Wüstenhofer Straße, wo man vom Brückenneubau sehr schön auf die noch nicht abgerissene Hälfte der Brücke und den Zustand der Ziegelrolle im Querschnitt sehen kann. Interessierte finden hier die Details zur Wirtschaftlichkeitsberechnung.

Wir hoffen inständig, dass uns weitere Abrisse und Neubauten an der Trasse erspart bleiben.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre WUPPERTALBEWEGUNG e.V.

Fotos: Carsten Gerhardt

von Carsten Gerhardt